Normative Orientierungen

„Nachhaltigkeit“ gilt seit der Konferenz „Umwelt und Entwicklung“ von Rio 1992 als Handlungsrahmen für eine globale Entwicklungsperspektive, die ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Dimensionen eng miteinander verknüpft. Das Konzept „Nachhaltigkeit“ bezeichnet eine Entwicklung, in der die Bedürfnisse heutiger Generationen befriedigt werden, ohne die Bedürfnisbefriedigung kommender Generationen und anderer Weltregionen zu gefährden. Dies bedeutet, dass Gesellschaften ihre sozialen Beziehungen und ihre Lebens- und Wirtschaftsweise so organisieren, dass sie nicht auf Kosten anderer Menschen und Regionen sowie der Biodiversität leben.


Armut und Unterversorgung sind die stärksten Hindernisse einer zukunftsfähigen Entwicklung. Sie sind, so der ehemalige UNEP-Direktor Klaus Töpfer, das schlimmste Umweltgift. Das Konzept „Nachhaltigkeit“ stellt immer die Frage nach der Verteilung knapper Ressourcen, der tatsächlichen Anwendung möglicher Technologien, der Erhaltung verwertbarer Güter und der Gerechtigkeit in der Weltgesellschaft. Auch scheinbar objektive Argumente kommen also ohne Wertentscheidung nicht aus.


Zentral für eine nachhaltige Entwicklung ist die Stärkung der Zivilgesellschaften, um die eigenständige Organisations- und Bewältigungsfähigkeit von Menschen in lokalen und regionalen Einheiten zu gewährleisten. Dies erfordert die Einleitung von Lernprozessen mit dem Ziel des Erwerbs von Gestaltungskompetenz als in die Zukunft weisendes Vermögen von möglichst vielen Menschen, die Belange des Gemeinwesens vor Ort in globaler Verantwortung aktiv zu modifizieren und zu modellieren.



„Ökonomie des Gemeinwesens“ Die Entwicklung des Gemeinwesens wirft die Frage nach der Logik sozial eingebundenen Wirtschaftens auf das der Erhaltung der sozialen, kulturellen, ökologischen und ökonomischen Evolutionsfähigkeit dient. Dabei zeigt sich, dass der Begriff „Gemeinwesen“ Ziele, Koordinationsprinzipien und Grenzen einer solchen sozialen Ökonomie impliziert. Der Entwurf einer am Gemeinwesen orientierten Ökonomie geht von diesen Implikationen aus:


  • Von der untrennbaren Einheit der Nutzung, Herstellung und Verteilung der materiellen Lebensgrundlagen
  • Vom „Gemeinen Eigenen“, welches den Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen unabhängig von der Marktmacht der AkteurInnen gewährt
  • Von der Gestaltung der sozialkulturellen Lebenszusammenhänge in Formen horizontaler Vergesellschaftung auf der Basis von Assoziation und Freiwilligkeit


Idee und Anspruch aber auch die real vorfindbare Praxis der Ökonomie des Gemeinwesens sind immer Gegenentwürfe gegenüber der Dominanz des Kapitals denn die Lebensinteressen stehen im Zentrum, der Orientierung am Eigennutz stehen die Erfordernisse des Gemeinwohls, der Fixierung am Wettbewerb Solidarität und Kooperation gegenüber. Wirtschaften ist aus der Perspektive des Gemeinwesens aus seiner reproduktiven Funktion für Menschen, Gesellschaft und Biosphäre zu betrachten.


Was wir als Ökonomie des Gemeinwesens suchen, existiert und existierte immer im Schatten der dominanten Ökonomie und es entsteht derzeit weltweit neu. In der internationalen Diskussion geraten diese Ansätze als Alternativ- und Komplementärstrukturen der zunehmend krisenhaften neoliberalen Praxis ins Licht öffentlichen Interesses. Trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Formen und Entstehungskontexte weisen sie deutliche Gemeinsamkeiten auf.


Um die Potentiale dieser Ansätze für die Arbeit in und am Gemeinwesen zu verstehen, müssen die Adaptionen sowohl der Gemeinwesenarbeit als auch der Sozialwirtschaft und ebenso dessen, was in der Sozialpolitik als „Lokale Ökonomie“ im deutschsprachigen Raum diskutiert wird, überschritten werden.