Gemeinwesenentwicklung (Community-Development)

Die partizipative Entwicklung lokaler und regionaler Räume mit der örtlichen Bevölkerung wird als „Community-Development“ bezeichnet. Community Development setzt an den Problemen und Potentialen des lokalen Raums und seiner Akteure an und versucht für die komplexen Fragen synergetische und spezifische Lösungsansätze zu finden.


Es ist der bedeutendste Ansatz zur Einleitung und Begleitung von Prozessen geplanten sozialen Wandels (planned change). Dabei wird der Erkenntnis Rechnung getragen, dass Veränderungsprozesse nur dann wirksam sind, wenn sie die spezifischen Gegebenheiten und Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung berücksichtigen. Die Theorie des sozialen Raums nach Pierre Bourdieu ist für Überlegungen zur ökosozialen Entwicklung insbesondere mit artikulationsschwachen Menschen von Bedeutung. Sie erklärt die Tiefenstrukturen sozialstruktureller Lebensbedingungen auf die Lebensoptionen von Menschen.


Wir gehen von einem fachtheoretischen Verständnis aus, welches die Bedeutung des Begriffs „common“ oder „gemein“ (im Sinne von gemeinsam) ins Zentrum rückt und sich damit gegen instrumentalisierende Intentionen stellt. Im ursprünglichen Sinne beziehen sich beide Begriffe auf Formen horizontaler Vergesellschaftung und die gemeinsam nutzbaren und zu bewirtschaftenden Lebensgrundlagen die es zu erhalten und zu denen der Zugang für alle gesichert werden soll. Ziele von Community-Development sind z.B.:


  • die Stärkung der Zivilgesellschaft und die Förderung von Selbsthilfe und Selbstorganisation
  • die Förderung des Sozialen Kapitals zur Gewährleistung gesellschaftlicher Integration
  • Ansätze zur erhaltenden Nutzung, zum Schutz und zur nachsorgenden Behandlung der Naturressourcen
  • der Aufbau und die Pflege von Netzwerkstrukturen und kooperativer Infrastruktur zugunsten der lokalen Ökonomie
  • die Dezentralisierung und Demokratisierung von Politik und Verwaltung sowie ihre Öffnung für zivilgesellschaftliche Akteure
  • die Herausbildung eines bedarfsorientierten sozialökonomischen Basissektors zur Versorgung und Bechäftigungssicherung der lokalen Bevölkerung.


Die als „bottom up“-Strategien bezeichneten Herangehensweisen finden sich in wirtschafts-, arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Programmen zur Förderung lokaler und regionaler Entwicklung in benachteiligten städtischen und ländlichen Regionen oder zur sozialökonomischen Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen in Europa sowie in der Entwicklungszusammenarbeit.